Garantieerweiterung oder Third-Party Maintenance – was lohnt sich für Ihre IT-Infrastruktur?

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Garantieerweiterung beziehungsweise Verlängerung des Herstellersupports kann insbesondere bei neuen oder updatekritischen Enterprise-Systemen sinnvoll sein.
  • Third-Party Maintenance (TPM), auch Drittanbieterwartung genannt, kommt vor allem dann infrage, wenn Hardware stabil läuft und nicht mehr sämtliche OEM-Leistungen benötigt werden.
  • Das End of Service Life (EOSL) beendet den regulären Herstellersupport, bedeutet aber nicht automatisch das technische Ende der Hardware.
  • Ein hohes SLA ersetzt keine hochverfügbare IT-Architektur. Kritikalität, Redundanz und Wartungsstrategie müssen gemeinsam betrachtet werden.
  • OEM-Support und TPM schließen sich nicht aus. Hybride Wartungsmodelle können unterschiedliche Systeme und Lifecycle-Phasen gezielt berücksichtigen.
  • Ob Hardware weiterbetrieben oder ersetzt wird, sollte sich an den technischen, wirtschaftlichen und betrieblichen Anforderungen des Unternehmens orientieren – nicht allein am Supportkalender des Herstellers.

Einleitung

Wenn Garantie oder Herstellersupport auslaufen, stellt sich für Unternehmen die Frage: verlängern, zu Third-Party Maintenance wechseln oder die Hardware ersetzen? Welche Supportstrategie für Enterprise-Hardware sinnvoll ist, hängt nicht allein vom Alter der Systeme ab. Hardware-Lifecycle, Kritikalität, benötigte Hersteller-Updates, SLAs, Ersatzteilversorgung und Kosten sollten gemeinsam betrachtet werden.

Wenn der Herstellersupport ausläuft, beginnt die eigentliche Entscheidung

Server, Storage-Systeme und Netzwerkkomponenten werden häufig über viele Jahre eingesetzt. Doch während die Hardware weiterhin zuverlässig ihren Dienst verrichtet, verändern sich Garantie- und Supportbedingungen. Die Herstellergarantie läuft aus, Supportverträge werden verlängert oder ein System erreicht schließlich sein End of Service Life (EOSL).

Für IT-Verantwortliche entsteht damit eine strategische Entscheidung: Ist eine Garantieerweiterung beziehungsweise die weitere Absicherung durch den Hersteller sinnvoll? Kann die Hardware künftig über Third-Party Maintenance (TPM) gewartet werden? Oder ist der Zeitpunkt für einen Hardware-Refresh gekommen?

Auf den ersten Blick scheint dies vor allem eine Kostenfrage zu sein. Tatsächlich greifen technische und wirtschaftliche Faktoren eng ineinander. Benötigt ein System weiterhin proprietäre Firmware- oder Softwareupdates? Wie kritisch ist es für den Geschäftsbetrieb? Welche Service Level Agreements (SLAs) sind erforderlich? Ist die Ersatzteilversorgung für die geplante Restlaufzeit gesichert? Und erfüllt die vorhandene Hardware weiterhin die Anforderungen des Unternehmens?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Bei neuen oder updatekritischen Enterprise-Systemen kann Herstellersupport weiterhin die richtige Wahl sein. Bei stabil laufender Hardware kann eine herstellerunabhängige Wartung dagegen zusätzliche Handlungsspielräume schaffen.

Die entscheidende Frage ist nicht, ob Herstellersupport oder Third-Party Maintenance grundsätzlich besser ist. Entscheidend ist, welche Leistungen ein System in seiner aktuellen Lifecycle-Phase tatsächlich benötigt.

Herstellergarantie, OEM-Support und TPM: Was unterscheidet die Modelle?

Für die Entscheidung ist zunächst eine klare Abgrenzung der verschiedenen Supportmodelle hilfreich.

Die Herstellergarantie sichert bestimmte Mängel oder Defekte innerhalb eines definierten Zeitraums nach den jeweiligen Garantiebedingungen des Herstellers ab. Eine Garantieerweiterung kann – abhängig vom Hersteller und Produkt – die Laufzeit der bestehenden Garantie verlängern und/oder deren Leistungsumfang erweitern. Lenovo beschreibt Garantieerweiterungen beispielsweise als Möglichkeit, sowohl den Umfang der Abdeckung als auch die Laufzeit der Basisgarantie zu erhöhen.

Davon zu unterscheiden ist der weiterführende OEM- beziehungsweise Herstellersupport. Entsprechende Verträge können neben Hardware-Reparaturen und Ersatzteilen beispielsweise technischen Support, Firmware- und Softwareleistungen sowie definierte Reaktionszeiten umfassen.

Third-Party Maintenance (TPM), auf Deutsch Drittanbieterwartung beziehungsweise herstellerunabhängige Wartung, bezeichnet dagegen die Wartung und den Hardware-Support durch einen vom Originalhersteller unabhängigen Anbieter. Typische Einsatzbereiche sind Server, Storage-Systeme und Netzwerktechnik. Der Leistungsumfang wird über den Wartungsvertrag und entsprechende SLAs definiert.

Für die strategische Entscheidung ist deshalb weniger die Bezeichnung des Supportmodells ausschlaggebend als die Frage: Welche Leistungen benötigt ein bestimmtes System während seiner verbleibenden Nutzungsdauer tatsächlich?

Wann eine Garantieerweiterung beziehungsweise Herstellersupport sinnvoll ist

Bei neuen Enterprise-Systemen gibt es gute Gründe, zunächst beim Hersteller zu bleiben. Besonders relevant sind OEM-Leistungen, wenn Hardware oder die darauf aufbauende Software regelmäßig herstellerspezifische Updates, Patches oder Bugfixes benötigt.

Aus der Praxis zeigt sich, dass dieser Bedarf insbesondere in den ersten Betriebsjahren eine größere Rolle spielen kann. Mit zunehmender Systemreife können notwendige Änderungen seltener werden. Eine allgemeingültige zeitliche Grenze lässt sich daraus jedoch nicht ableiten: Hersteller, Plattform, Softwarestack und Einsatzszenario müssen individuell betrachtet werden.

Herstellersupport kann insbesondere sinnvoll sein, wenn

  • neue Enterprise-Systeme innerhalb des regulären Hersteller-Lifecycles betrieben werden,
  • proprietäre Firmware- oder Softwareupdates benötigt werden,
  • Anwendungen an bestimmte Herstellerstände gekoppelt sind,
  • bestehende Supportvereinbarungen wichtige Zusatzleistungen enthalten,
  • Garantie- oder Vertragsbedingungen den Einsatz eines Drittanbieters einschränken.

In der Praxis setzen Unternehmen bei komplexeren Enterprise-Systemen während der ersten Jahre häufig zunächst auf den Hersteller. Später können sie neu bewerten, welche OEM-Leistungen sie noch benötigen.

Anders kann die Situation bei x86-Standardservern, Entry-Systemen oder bestimmten Netzwerkkomponenten aussehen. Abhängig von technischen Anforderungen und Garantiebedingungen kann Third-Party Maintenance hier bereits früher eine Option sein.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Welche Herstellerleistungen benötigen Unternehmen heute – und welche während der geplanten Restlaufzeit?

EOSL: Das Ende des Supports ist nicht automatisch das Ende der Hardware

Eine wichtige Zäsur im Hardware-Lifecycle ist das End of Service Life (EOSL). Damit wird der Zeitpunkt bezeichnet, an dem die regulären Support- und Serviceleistungen des Originalherstellers für ein Produkt enden. Davon zu unterscheiden ist das End of Life (EOL), das bereits früher im Produktlebenszyklus liegen kann.

Das EOSL-Datum sagt jedoch zunächst etwas über den Supportzyklus des Herstellers aus. Es bedeutet nicht automatisch, dass ein Server, Storage-System oder eine Netzwerkkomponente technisch nicht mehr einsatzfähig ist.

Für Unternehmen ist EOSL deshalb vor allem ein Anlass, die eigene Strategie zu überprüfen:

  • Erfüllt das System weiterhin die technischen Anforderungen?
  • Wie lange soll es noch eingesetzt werden?
  • Werden weiterhin Hersteller-Updates benötigt?
  • Ist eine zuverlässige Ersatzteilversorgung möglich?
  • Welche Risiken entstehen durch die weitere Nutzung?

Stehen die Kosten eines Hardware-Refreshs im Verhältnis zu seinem Nutzen?

Ein EOSL-Datum ist zunächst das Ende des Herstellersupports – nicht automatisch das Ende der Hardware. Entscheidend ist, ob ein System die Anforderungen des Unternehmens weiterhin zuverlässig erfüllt.

Wann Third-Party Maintenance interessant wird

Genau an diesem Punkt kann Third-Party Maintenance ins Spiel kommen. Drittanbieterwartung kann die Zeit zwischen dem Ende des Herstellersupports und dem tatsächlichen Ende der wirtschaftlichen Nutzungsdauer überbrücken.

TPM wird insbesondere interessant, wenn:

  • Hardware weiterhin stabil und leistungsfähig ist,
  • der OEM-Support ausläuft oder EOSL erreicht ist,
  • Systeme länger genutzt werden sollen,
  • bestimmte OEM-Leistungen nicht mehr benötigt werden,
  • individuellere SLAs gefragt sind,
  • unterschiedliche Hersteller innerhalb einer IT-Landschaft betreut werden müssen,
  • ein Hardware-Refresh bewusst auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden soll.

Damit lässt sich der Hardware-Lifecycle stärker an den tatsächlichen Anforderungen des Unternehmens ausrichten.

Gleichzeitig muss vor einem Wechsel genau geprüft werden, welche Leistungen ein unabhängiger Wartungsanbieter übernehmen kann. TPM ist vor allem eine Strategie für die Hardware-Wartung und herstellerunabhängige IT-Wartung. Bei OEM-spezifischen Software- oder Firmwareleistungen können Einschränkungen bestehen. Gerade deshalb sollte die Entscheidung vor einem Wechsel auf Systemebene getroffen werden.

Was kostet die Wartung wirklich?

Bei der Entscheidung zwischen Garantieerweiterung, Herstellersupport und Drittanbieterwartung richtet sich der Blick häufig zunächst auf den Preis des jeweiligen Vertrags. Für einen belastbaren Vergleich reicht das nicht aus.

  • jährliche Support- und Wartungskosten,
  • benötigte Reaktions- und Wiederherstellungszeiten,
  • Ersatzteilversorgung,
  • interne Administrations- und Koordinationsaufwände,
  • Vertragslaufzeiten,
  • potenzielle Ausfallkosten,
  • Kosten eines vorgezogenen Hardware-Refreshs,
  • verbleibende wirtschaftliche Nutzungsdauer.

Besonders wichtig ist der letzte Punkt. Erfüllt ein System weiterhin alle technischen Anforderungen, kann ein Austausch allein aufgrund eines auslaufenden Supportvertrags Kapital binden, obwohl aus betrieblicher Sicht noch kein Refresh erforderlich wäre.

Umgekehrt sollten Unternehmen TPM nicht allein aufgrund niedrigerer Wartungskosten wählen. Benötigen sie bestimmte OEM-Leistungen oder kann ein Drittanbieter die technischen Anforderungen nicht zuverlässig abdecken, ist der Herstellersupport möglicherweise die passendere Lösung.

Die wirtschaftliche Bewertung sollte deshalb immer Kosten, Risiko und geplante Nutzungsdauer gemeinsam betrachten.

Ein hohes SLA ersetzt keine Hochverfügbarkeit

Eine weitere wichtige Größe sind die vereinbarten Service Level Agreements. Dabei werden kurze Reaktionszeiten teilweise mit hoher Verfügbarkeit gleichgesetzt. Beides sollte klar voneinander getrennt werden.

Ein SLA legt fest, welche Leistungen ein Wartungsanbieter innerhalb vereinbarter Zeiträume erbringen muss. Hochverfügbarkeit entsteht dagegen durch die Architektur der IT-Infrastruktur – beispielsweise durch redundante Komponenten, Cluster, Failover-Systeme sowie weitere technische und organisatorische Maßnahmen.

Ein besonders schnelles Wartungs-SLA kann fehlende Redundanz deshalb nicht automatisch kompensieren.

Für die Wahl des Wartungsmodells bedeutet das: Unternehmen sollten zunächst bewerten, wie kritisch ein System für den Geschäftsbetrieb ist und wie sie seine Verfügbarkeit technisch absichern. Auf dieser Grundlage können sie die erforderliche Wartungsleistung und das passende SLA bestimmen.

Entscheidungsmatrix: Garantieerweiterung, OEM-Support oder TPM?

Eine allgemeingültige Grenze zwischen Herstellersupport und Drittanbieterwartung gibt es nicht. Die folgenden Kriterien bieten eine erste Orientierung:

 

Ausgangssituation Mögliche Strategie
Neues Enterprise-System mit regelmäßig benötigten OEM-Updates Garantie-/Herstellersupport beibehalten
Proprietäre Firmware- oder Softwareleistungen erforderlich OEM-Support prüfen
Hardware läuft stabil und erfüllt weiterhin die Anforderungen TPM als Alternative prüfen
EOSL erreicht, Hardware soll weiter genutzt werden Drittanbieterwartung/TPM prüfen
Unterschiedliche Hersteller und Hardwaregenerationen im Einsatz Multi-Vendor-TPM bzw. hybrides Modell prüfen
Besonders geschäftskritisches System Kritikalität, Redundanz und SLA gemeinsam bewerten
Hardware soll mehrere Jahre weiterbetrieben werden Ersatzteilversorgung und Lifecycle frühzeitig absichern
Technische Anforderungen steigen deutlich Wirtschaftlichkeit eines Hardware-Refreshs prüfen
OEM-Leistungen werden nur noch teilweise benötigt TPM oder hybrides Wartungsmodell prüfen
Herstellerabhängigkeit soll reduziert werden Erforderliche OEM-Abhängigkeiten auf Systemebene prüfen

Die Matrix ersetzt keine technische Bestandsaufnahme. Sie verdeutlicht aber, warum Unternehmen Wartungsentscheidungen nicht pauschal für ihre gesamte IT-Landschaft treffen sollten.

OEM-Support und TPM müssen kein Entweder-oder sein

In komplexen IT-Umgebungen kommen häufig unterschiedliche Wartungsmodelle zum Einsatz. Unternehmen kaufen neue Hardware beispielsweise direkt mit Herstellersupport, während ein unabhängiger Anbieter parallel ältere Systeme betreut.

Solche hybriden Wartungsmodelle ermöglichen es, den Support an Lifecycle, Kritikalität und technische Anforderungen einzelner Systeme anzupassen.

  • neue und updatekritische Systeme → OEM-Support,
  • stabile Systeme mit geringer Updateabhängigkeit → TPM,
  • besonders kritische Systeme → Wartungsmodell anhand von Architektur, Redundanz und SLA auswählen,
  • Systeme vor einem geplanten Refresh → Restlaufzeit und Wirtschaftlichkeit individuell bewerten.

Damit verändert sich die zentrale Frage von „OEM oder TPM?“ zu „Welches Wartungsmodell passt zu welchem System?“

Herstellerunabhängigkeit ist kein Selbstzweck

Gerade in Multi-Vendor-Umgebungen kann es aufwendig sein, unterschiedliche Wartungsverträge, Laufzeiten und Ansprechpartner parallel zu koordinieren. Herstellerunabhängige Wartung kann hier Prozesse vereinfachen und Unternehmen mehr Freiheit bei der Gestaltung ihrer Hardware-Lifecycles geben.

Herstellerunabhängigkeit sollte jedoch kein Ziel um jeden Preis sein. Werden für bestimmte Systeme weiterhin proprietäre Updates, Softwareleistungen oder andere OEM-spezifische Services benötigt, bleibt die Bindung an den Hersteller technisch sinnvoll.

Entscheidend ist daher nicht maximale Herstellerunabhängigkeit, sondern die Freiheit, für jedes System das passende Wartungsmodell wählen zu können.

Typische Fehler bei der Wahl der Wartungsstrategie

1. Bestehende Verträge automatisch verlängern

Nur weil ein Supportvertrag in den vergangenen Jahren sinnvoll war, muss er nicht automatisch zur nächsten Lifecycle-Phase passen. Vor einer Garantieverlängerung oder Erweiterung des Herstellersupports sollten Unternehmen prüfen, welche Leistungen sie tatsächlich noch benötigen.

2. Ausschließlich die Wartungskosten vergleichen

Der niedrigste Vertragspreis ist nicht zwangsläufig die wirtschaftlichste Lösung. Ersatzteilversorgung, SLAs, Technikerqualifikation, Vertragsflexibilität und technische Abhängigkeiten sollten ebenfalls in die Bewertung einfließen.

3. SLA und Hochverfügbarkeit gleichsetzen

Auch sehr kurze Reaktionszeiten können fehlende Redundanz nicht ersetzen. Unternehmen sollten Wartungsstrategie und Verfügbarkeitskonzept deshalb gemeinsam bewerten.

4. Firmware- und Softwareabhängigkeiten übersehen

Vor einem Wechsel zu TPM sollten Unternehmen klären, welche Firmware, Patches, Softwareleistungen oder Lizenzen sie weiterhin vom Hersteller benötigen. Ein unabhängiger Wartungsanbieter hat nicht automatisch uneingeschränkten Zugriff auf OEM-spezifische Updates.

5. Qualität des TPM-Anbieters nicht ausreichend prüfen

Zu den typischen Vorbehalten gegenüber Drittanbieterwartung gehören Zweifel an Ersatzteilqualität und Technikerqualifikation. Statt diese Bedenken auszublenden, sollten Unternehmen sie zum Bestandteil ihrer Anbieterprüfung machen.

  • Wie werden Ersatzteile beschafft und geprüft?
  • Welche Qualifikationen besitzen die eingesetzten Techniker?
  • Wie ist die Ersatzteillogistik organisiert?
  • Welche Reaktions- und Wiederherstellungszeiten können zugesichert werden?
  • Welche Hersteller und Systeme kann der Anbieter tatsächlich betreuen?
  • Welche Leistungen sind im SLA enthalten?

6. Von einem TPM-Anbieter OEM-Leistungen erwarten

Ein unabhängiger Wartungsanbieter ist nicht automatisch ein verlängerter Arm des Herstellers. Klären Sie deshalb vor Vertragsabschluss, ob und in welchem Umfang Sie auf proprietäre Patches, Firmware oder Softwareleistungen zugreifen können

Drittanbieterwartung schrittweise testen

Ein Wechsel zu TPM muss nicht die gesamte IT-Infrastruktur gleichzeitig betreffen.

In der Praxis kann es sinnvoll sein, zunächst einen klar abgegrenzten Bereich einzubeziehen – beispielsweise Backup- oder Testsysteme. So lassen sich Serviceprozesse, Reaktionszeiten, Ersatzteilversorgung und Zusammenarbeit unter realen Bedingungen bewerten.

Gerade für Unternehmen, die bislang ausschließlich Herstellersupport genutzt haben, ermöglicht dieses Vorgehen, praktische Erfahrungen mit Drittanbieterwartung zu sammeln, bevor weitere Systeme einbezogen werden.

Updatekritische oder besonders sensible Systeme können gleichzeitig weiterhin beim Hersteller verbleiben.

Wann ein Hardware-Austausch sinnvoller ist

Die Verlängerung eines Hardware-Lifecycles ist kein Selbstzweck. Es gibt einen Punkt, an dem weder eine Garantieerweiterung noch Third-Party Maintenance die technisch oder wirtschaftlich beste Lösung ist.

  • die benötigte Performance nicht mehr erreicht wird,
  • neue Anwendungen oder Workloads andere Hardwareanforderungen stellen,
  • Energieverbrauch und Betriebskosten unverhältnismäßig steigen,
  • Kompatibilitätsprobleme entstehen,
  • benötigte Sicherheits- oder Softwareupdates nicht mehr verfügbar sind,
  • Ersatzteile nicht mehr zuverlässig beschafft werden können,
  • die bestehende Plattform zukünftige Geschäftsanforderungen nicht mehr unterstützt.

Nicht das Alter der Hardware allein entscheidet über einen Austausch, sondern ihre technische und wirtschaftliche Eignung für den geplanten Einsatz.

Fazit: Die Wartungsstrategie sollte dem Unternehmen folgen – nicht dem Herstellerzyklus

Garantieerweiterung, OEM-Support und Third-Party Maintenance sind keine Wartungsmodelle, von denen eines grundsätzlich überlegen ist. Sie erfüllen unterschiedliche Anforderungen innerhalb eines Hardware-Lifecycles.

Für IT-Verantwortliche lohnt es sich deshalb, den Supportbedarf regelmäßig neu zu bewerten: Welche Systeme benötigen weiterhin OEM-spezifische Leistungen? Welche Hardware läuft stabil und soll länger genutzt werden? Welche Systeme sind besonders geschäftskritisch? Welche SLAs werden tatsächlich benötigt? Ist die Ersatzteilversorgung für die geplante Restlaufzeit gesichert? Und welche Kosten entstehen durch Weiternutzung, Supportverlängerung oder einen vorgezogenen Refresh?

Gerade in größeren IT-Landschaften wird die Antwort häufig nicht „entweder OEM oder TPM“ lauten. Sinnvoller kann eine hybride Strategie sein, die unterschiedliche Wartungsmodelle gezielt kombiniert.

So orientiert sich der Hardware-Lifecycle nicht automatisch am Supportkalender eines Herstellers, sondern an den technischen, wirtschaftlichen und betrieblichen Anforderungen des Unternehmens.

Welche Wartungsstrategie passt zu Ihrer IT-Infrastruktur?

Prüfen Sie zunächst den Garantie- und Supportstatus Ihrer Hardware und ermitteln Sie anschließend, welche Leistungen Sie während der geplanten Restlaufzeit tatsächlich benötigen.

Über den Autor

Thomas Kluk ist Head of Sales Region North bei Evernex und berät Unternehmen bei der Optimierung ihrer IT-Infrastruktur durch Third-Party Maintenance, IT-Lifecycle-Management und nachhaltige Rechenzentrumsstrategien. Mit seiner langjährigen Erfahrung im Enterprise-IT-Umfeld unterstützt er Unternehmen dabei, Hardware-Lebenszyklen zu verlängern, Infrastrukturkosten zu senken und die Abhängigkeit von Herstellern zu reduzieren. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Rechenzentrumsinfrastruktur, OEM-Alternativen sowie der Entwicklung zukunftssicherer IT-Strategien für komplexe Unternehmensumgebungen.

Related Posts

FAQ: Garantieerweiterung oder TPM

Was bedeutet Garantieerweiterung bei IT-Hardware?

Unter einer Garantieerweiterung werden zusätzliche Garantie- oder Supportleistungen verstanden, die über die ursprüngliche Herstellergarantie hinausgehen können. Je nach Hersteller und Vertrag kann dies eine längere Laufzeit oder einen erweiterten Leistungsumfang umfassen. Die konkreten Bedingungen sollten Sie deshalb für das jeweilige System prüfen.

Was ist der Unterschied zwischen OEM-Support und Third-Party Maintenance?

OEM-Support wird durch den Originalhersteller oder innerhalb seines Servicemodells erbracht und kann neben Hardware-Wartung auch proprietäre Firmware-, Software- und Updateleistungen umfassen. Bei Third-Party Maintenance übernimmt ein unabhängiger Anbieter die Wartung und den Hardware-Support.

Was bedeutet EOSL?

EOSL steht für End of Service Life. Es bezeichnet den Zeitpunkt, an dem der Originalhersteller seine regulären Support- und Serviceleistungen für ein Produkt beendet. Ein EOSL-Datum bedeutet nicht automatisch, dass die Hardware technisch nicht mehr eingesetzt werden kann.

Ist Third-Party Maintenance dasselbe wie Drittanbieterwartung?

Ja. Third-Party Maintenance (TPM) wird im Deutschen auch als Drittanbieterwartung beziehungsweise herstellerunabhängige Wartung bezeichnet. Ein vom Originalhersteller unabhängiger Dienstleister übernimmt dabei Wartung und Hardware-Support.

Wann lohnt sich Third-Party Maintenance?

TPM eignet sich insbesondere für stabil laufende Systeme, die Unternehmen länger nutzen möchten, deren Herstellersupport ausläuft oder die nicht mehr sämtliche OEM-Leistungen benötigen. Die technischen Anforderungen des jeweiligen Systems bleiben ausschlaggebend.

Lassen sich OEM-Support und Third-Party Maintenance kombinieren?

Ja. Hybride Wartungsmodelle ermöglichen es, neue oder updatekritische Systeme weiterhin über den Hersteller betreuen zu lassen und geeignete andere Systeme über TPM abzusichern.

Wann sollten Unternehmen Hardware trotz möglicher Drittanbieterwartung ersetzen?

Unternehmen sollten einen Refresh in Betracht ziehen, wenn die bestehende Hardware technische oder wirtschaftliche Anforderungen nicht mehr erfüllt – beispielsweise aufgrund fehlender Performance, mangelnder Kompatibilität, notwendiger Sicherheitsupdates, steigender Betriebskosten oder neuer geschäftlicher Anforderungen.

Jetzt anfragen